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Bürgstadt (Unterfranken)

Brümmer und Roth - 1902 bis 1919


63927 Bürgstadt


"Bürgstadt, 8. Januar. Bei der gestern dahier wegen Erbschaftsauseinandersetzung stattgehabten Versteigerung der Brümmerschen Mühle ging das Anwesen auf die Herren Christian Roth und Carl Brümmer um den Preis von 40.100 Mark über. Wie wir hören, besteht die Absicht, die vorhandene Wasserkraft zur Anlage einer Bierbrauerei auszunützen"
Dies ist einer Notiz des "Bote vom Untermain" in seiner Ausgabe vom 9.1.1902 zu entnehmen. Christian Friedrich Roth (1866-1924), gelernter Bierbrauer aus Greffingen im Hohenloher Land, hatte die Schwester von Carl Brümmer von der Mittelmühle geheiratet. Nach dem Besitzübergang begann er mit seinem Schwager umgehend eine Brauerei einzurichten und im gleichen Jahr noch in Betrieb zu nehmen. Die Mühle scheint aber noch unabhängig davon zunächst weiterbetrieben worden zu sein, wie aus einer Zeitungsannonce vom 2. Februar 1902 zu entnehmen ist. Aber offensichtlich war das nur kurze Zeit der Fall.

Roth, der übrigens erst 1910 eingebürgert wurde, braute ein recht gutes Bier und gewann dadurch rasch einen großen Kundenkreis. Er belieferte u.a. Wirtekunden wie Johann Pfeifer in Kirschfurt und Eduard Hagel in Reistenhausen. Weiterhin vertrieb er sein Bier auch in Eichenbühl, Weilbach, Weckbach Großheubach, Kleinheubach, Rüdenau und Röllbach. Für die etablierten Brauereien der Umgebung stellte er bald eine ernst zu nehmende Konkurrenz dar.

Die Einrichtung des Betriebs war auf dem modernsten Stand. Er produzierte bereits Kunsteis und befasste sich schon mit der Trebertrocknung. Eine zunächst vorhandene 12 PS starke Lokomobile wurde bald durch eine 14 PS-Turbine ersetzt, die auch für elektrisches Licht sorgte. Die Lagerkapazität der Brauerei lag immerhin bei 900 hl, die Schüttung des Sudwerks betrug 5 Doppelzentner Malz. Im Trieb befand sich ein Eiskeller. Er war rund und mit einem spitzen Strohdach gedeckt. Anfangs wurde er genutzt und mit Pferdefuhrwerken das benötigte Eis vom Main dorthin gebracht.

Die Folgen des Ersten Weltkriegs trafen die Brauerei Brümmer und Roth als junges Unternehmen besonders hart. Und da sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht so schnell besserten, eher noch verschlechterten und die Menschen ausgehungert waren, rechnete sich Roth, der als unternehmerisch und sehr baufreudig geschildert wurde, für das Betreiben der Mühle bessere geschäftliche Chancen aus. Also gab er 1919 die Brauerei wieder auf und richtete mit seinem Schwager erneut die Getreidemühle ein. Er soll diese Entscheidung aber recht bald bereut haben. Sein Malzkontingent verkaufte er 1920 an die Kaltloch-Brauerei in Miltenberg. Der Gemeinderat von Bürgstadt hat die Nutzungsänderung am 20.3.1920 genehmigt.

So schloss die erste und einzige Brauerei in Bürgstadt nach nicht einmal zwanzigjähriger Tätigkeit ihre Pforten.
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