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Goldbach (Unterfranken)

Löwen-Brauerei Stenger - 1835 bis 1908


63773 Goldbach  

 

Von der Königlich Bayerischen Regierung von Unterfranken erhielt der aus einer alten Goldbacher Familie stammende Bierbrauer Alois Stenger am 25. Oktober 1835 die Genehmigung zur Errichtung einer Bierbrauerei. In dieser Konzessionsurkunde heißt es u.a.:
"....die Errichtung wird jedoch nur unter der Bedingung ertheilt, dass.... der Braukessel wenigstens 18 Eimer halte (= ca. 11 hl) und zur Lagerung des Sommerbieres entweder der Keller unter der Scheune dahin erweitert werde, dass 400 Eimer unterzubringen seyen, oder ein Felsenkeller für diesen Betrag erbaut werde."

Schon vor der Gründung der Löwenbrauerei im Jahr 1835 muss es in Goldbach Brauereien gegeben haben. Denn bereits 1807 beantragte der Georg Heim aus Goldbach eine Brauereikonzession. Der Inhaber der bereits bestehenden Bierbrauerei widersprach. Die Landesdirektion und das Vicedomamt des suveränen Fürsenstums Aschaffenburg befürworteten die Erteilung u. a. mit der Begründung, dass für Goldach zwei Brauereien nicht zu viel seien und die bestehende Brauerei nach Erklärung der Gemeinde "schlechtes Bier brauet". Wir wissen nicht, ob eine der beiden Brauereien ein Vorgängerbetrieb der Löwenbrauerei war.

Der vorgenannte Felsenkeller wurde im Oberdorf errichtet, wo das Bier in Holzfässern von ca. 25 hl gelagert wurde. Für die nötige Kühlung sorgten drei Eisweiher. Wenn die Fässer gepicht werden mussten, was vermutlich einmal im Jahr geschah, wurden sie auf der Straße zur Brauerei gerollt und danach auf demselben Weg wieder zurückgebracht, was für die Kinder des Ortes stets ein besonderes Ereignis war.

Trotz der im nahen Aschaffenburg bestehenden vielfältigen und starken Konkurrenz entwickelte sich die Brauerei recht ordentlich, dank eines offensichtlich guten Bieres. Bis in den tiefen Spessart wurde das Bier verfrachtet. Oftmals waren die Pferdefuhrwerke drei bis vier Tage unterwegs, wie bei der Tour nach Heigenbrücken. Einen Tag dauerte die Hinfahrt. Am nächsten Tag wurde ausgeliefert und je nach Jahreszeit musste noch ein Tag drangehängt werden für das Zackern von Kundenäckern. Am vierten Tag wurde dann die Heimfahrt angetreten. Der Sohn von Alois Stenger, Lorenz Stenger (1839-1888), übernahm einen geordneten Betrieb. 1869 erhielt er die "persönliche Concession zum Betriebe einer Gast- und Schenkwirthschaft."
Sein Sohn Joseph Friedrich (1871-1940) musste sehr jung die Nachfolge antreten, da sein Vater früh starb. Er war ein rühriger, unternehmerischer Mann. In wenigen Jahren erneuerte er die Brauerei von Grund auf.

Noch heute existiert das um 1900 errichtete stattliche Brauhaus und wird jetzt als Brennerei genutzt. Joseph Friedrich erkannte auch sehr früh, dass man allein mit einem guten Bier nicht erfolgreich bestehen konnte. Er bewarb sein Bier für damalige Zeit recht auffällig und originell, wie das Plakat auf den Farbseiten zeigt. In dieser Zeit soll die Löwenbrauerei Goldbach über 20.000 hl pro Jahr produziert haben.

Wohl kaum aus wirtschaftlicher Not, sondern eher durch falsche Beratung und Beeinflussung verkaufte Joseph Friedrich Stenger sein Braurecht 1908 an die Bayerische Aktien-Bierbrauerei in Aschaffenburg. Die Gaststätte wurde 1956 geschlossen. Die Familie Stenger betreibt heute auf dem ehemaligen Brauereigelände eine weithin bekannte Fruchtsaftkellerei und Brennerei.
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