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Lengfurt (Unterfranken)

Brauerei Maier-Schedel - 1845 bis 1920


97855 Triefenstein - Lengfurt  
 

Historisches

Georg Dütsch war wohl der erste Bierbrauer, der in Lengfurt eine Brauerei betrieben hat. Nach heutigen Erkenntnissen dürfte das schon 1845 der Fall gewesen sein. Das erzeugte Bier hat er zunächst nur in der eigenen Wirtschaft verzapft. Der Sohn, auch er hieß Georg, heiratete Theresia Müller. Nach dem frühen Tod ihres Mannes ehelichte diese den Bierbrauer Michael Maier (1843-1895) aus Dittigheim, der Brauerei und Wirtschaft weiterführte.

Rosa Dütsch, die Tochter aus erster Ehe, heiratete 1892 den aus Dettelbach stammenden Lehrer Michael Schedel (1866-1919), der es als Nachfolger offensichtlich recht gut verstand den Betrieb nach Maiers Tod ordentlich über die Runden zu bringen. Immerhin lieferte er bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts sein Bier nicht nur an die drei Lengfurter Wirtschaften, sondern auch nach Holzkirchen, Wüstenzell, Homburg, Erlenbach, Trennfeld und Rettersheim, später sogar bis Würzburg.

Der heute noch stattlich wirkende Brauerei- und Wohnkomplex, dem auch eine Mälzerei angeschlossen war, wurde in der Hauptsache 1886 noch von Michael Maier errichtet. Dazu gibt es eine köstliche Anmerkung. Nach der Einweihung des Neubaus beschwerte sich der damalige Pfarrer Hartmann darüber, dass er hierzu nicht eingeladen war und somit den kirchlichen Segen nicht spenden konnte. Das hatte seinen Grund in einem heillosen Zerwürfnis zwischen Pfarrer und Besitzer.

Bei der Brauerei befand sich eine schöne Gaststätte mit Kegelbahn und Biergarten, die aber bereits 1914 aufgegeben wurde, nachdem man kurz zuvor das Gasthaus "Zum Roß" erworben hatte.

Die Brauerei war auch etliche Jahre Stromlieferant der Gemeinde. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Lengfurt eine öffentliche Stromversorgung installiert. Michael Schedel verunglückte 1919 mit seinem Auto tödlich. Sein Sohn Eduard (1893-1944), der die Brauerei zugesprochen bekam, wurde von seinen Geschwistern auf Auszahlung ihres Erbteils gedrängt. Ob das der Grund war 1920 das Bierbrauen aufzugeben, ist nicht aktenkundig. Anschließend betrieb das Brauhaus Neustadt in der stillgelegten Brauerei noch für etliche Jahre ein Bierdepot. Das Braurecht hatte Eduard Schedel allerdings an die Brauerei Lutz in Kreuzwertheim veräußert. Einen vorhandenen Felsenkeller, der zur Bierlagerung diente, erwarb das benachbarte Zementwerk, weil es Platz brauchte für dringende Erweiterungen.

Die Mälzerei wurde bis 1937 weiterbetrieben und musste dann ebenfalls ihre Pforten schließen. Ob Schedels regimekritische Einstellung gegenüber den Nationalsozialisten dabei eine Rolle spielte, kann man zwar vermuten, wir wissen es aber nicht. Immerhin wanderte er einmal sechs Wochen ins Gefängnis wegen abfälliger Äußerungen. Eduard Schedel fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg.
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