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Rothenfels (Unterfranken)

Brauerei Amrhein - 1825 bis 1910

97541 Rothenfels am Main

Vermutlich schon 1825 bestand diese Brauerei. Wahrscheinlich hat Georg Amrhein mit dem Bierbrauen begonnen, denn er errichtete in diesem Jahr einen Eiskeller und 1854 ein neues stattliches Sudhaus.
1851 beantragten er, sowie der andere Rothenfelser Bierbrauer Keller, die Schankerlaubnis, welche vom Landrichter wie folgt beschieden wurde: „Da beide Brauer sind, so sind sie auch zu denselben (Schankwirten) zu zählen.“
Der Sohn Franz Amrhein übernahm die Brauerei und führte sie bis 1892 alleine. Für die Liegenschaften wurden folgende Preise festgelegt:
Brauerei und Wohnhaus 5.800 fl (=Gulden); Mobiliar 2.362 fl; Grundstücke 2.053 fl sowie Schulden 2.450fl.
Als Erbteil bekam seine Schwester Elisabeth anteilig von Brauerei und Wohnhaus 1.025 fl; Mobiliar, gesteigerte Grundstücke und Zins 1.100 fl.
Von 1852 bis 1861 bezog er von Martin Zeller in Oberndorf Hopfen für ca. 1.000 Gulden. Eigener Hopfenanbau wurde also offensichtlich nicht betrieben. Im Jahre 1869 kostete der Zentner Hopfen vom gleichen Lieferanten immerhin 135 Gulden.
Einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1872 zufolge beliefen sich der Vorrat an Geld auf ca. 90 fl, Malz und Gerste 19 fl, Kohlen 1.350 fl, Außenstände (ca.10) 300 fl.
Die Gesamteinnahmen betrugen 1872 8.702 fl und 50 Kr. Über den Ausstoß zur damaligen Zeit liegen aus alten Steuerrechnungen nur gemeinsame Zahlen der beiden Rothenfelser Brauereien vor. So wird für 1867 ein Malzverbrauch von 593 Scheffeln genannt. An anderer Stelle heißt es: „1 Scheffel ergibt 7 Eymer Bier, ergo 2072 Eymer (= ca.1250 hl). 1/3 gehe, wohl als Ausfuhr ab, wurden also 1382 Eymer hier verzechet.“ Umgerechnet ergibt das etwa 850 hl, die im Städtchen konsumiert wurden.
1892 fühlte sich Franz Amrhein wohl gesundheitlich nicht mehr in der Lage das Geschäft alleine zu bewirtschaften. So schrieb er im März 1892 seinem Sohn Josef, der sich seit 1889 auf der Wanderschaft befand, die ihn u.a. nach Thüngen, Aschaffenburg, Gerbrunn, Nürnberg und bis nach Oberbayern führte, er solle nach Hause kommen, zumal auch seine Musterung bevorstand.
Josef führte seit 1889 bis etwa 1925 Tagebuch. Diesen Aufzeichnungen, die leider nur noch unvollständig vorliegen, verdanken wir recht detaillierte Kenntnisse, auch über die persönlichen Verhältnisse. Josef war ein sehr fleißiger, gottesfürchtiger Mann, der sein Handwerk wohl recht gut verstand, dessen unternehmerische Fähigkeiten aber damit nicht Schritt hielten. Recht pessimistische Äußerungen über die Geschäftsentwicklung tauchten häufig in seinen Tagebüchern auf. Er investierte zwar immer wieder einiges in die Brauerei. So wurde 1892 in Zimmern ein Eiskeller gebaut, 1896 ein Filter angeschafft, 1898 eine Schrotmühle gekauft und 1900 ein Göpel installiert.
In den Tagebuchaufzeichnungen heißt es dazu wörtlich:
»Am Donnerstag, den 11.10., war die Göpelanlage fertiggestellt, setzten sie gleich in Betrieb und zwar zum Malz schroten. Da brachten wir 2 Hektol. fertig, dann gingen die Kühe nimmer, wir mußten aufhören, am 12.10. fuhren wir weiter damit, ging schon besser, das Vieh muß sich erst daran gewöhnen. Der Göpel kam uns mit Einrichtung auf ungefähr 700 Mark.“ Dazu vermerkte er 1902 in seinem Tagebuch: „Es wurde mit Hilfe des Göpels oder von Hand gemaischt, wenn das Vieh nicht spurte”.
Auch hielt er exakte Kostenermittlungen fest. So errechnete er für 1901 den Aufwand für das Einmaischen auf 200,45 Mark.
1906 wurde ein neuer Bier- und Eiskeller gebaut und die elektrische Installation vorgenommen.
Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts muss die Brauerei recht gut gelaufen sein. Man hatte Wirtekunden nicht nur in Rothenfels, sondern auch in Bergrothenfels, Wolfsmünster, Erlach, Neustadt und Steinmark. Aber wegen stark schwankender Bierqualität gingen so manche Bierkunden verloren. 1897 waren es nur noch drei, 1899 nur noch zwei. 1898 stellte man immerhin noch 59 Sude und 1899 60 Sude á 18 1/2 hl her. 1901 wurden 44 Sude eingebraut. Im gleichen Jahr bestand auch noch eine Mälzerei. Der Absatz in der eigenen Wirtschaft ließ um die Jahrhundertwende auch zu wünschen übrig. Zwar erholte er sich in den folgenden Jahren wieder etwas. 1907 betrug er beachtliche 272 hl. Er hielt sich einige Jahre auf diesem Niveau, sank dann aber ab 1910 schlagartig und verringerte sich bis in das Kriegsjahr 1915 auf 104 hl. Diese Entwicklung hing vermutlich mit der 1910 erfolgten Schließung der Brauerei zusammen. Das Bier wurde dann von der Schlossbrauerei Thüngen bezogen.
1919 war Josef Amrhein gezwungen, das gesamte Anwesen zu verkaufen. Neuer Besitzer war ein Consortium von sieben Rothenfelser Bürgern, die in dem Komplex ein Obstverwertungsinstitut einrichten wollten. Josef Amrhein blieb mit 4000 Mark Mitteilhaber.
www.faust.de

 


 

Bayer-Bräu - 1595 bis 2011

Hauptstr. 77
97851 Rothenfels am Main
Tel.: 09393 / 408

Das Bier wird seitdem im Lohnbrauverfahren von der Burgbrauerei Herzog von Franken, Thüngen (Ufr) hergestellt.
 

 

   

 

Der aus der Bamberger Gegend stammende Bierbrauer Andreas Bayer, der zuletzt in der damaligen Brauerei Heimbach (später: Brauerei Schwind) in Hafenlohr arbeitete, übernahm 1895 die Brauerei Keller in Rothenfels.
Er heiratete 1896 die Witwe des 1894 verstorbenen Franz Keller, nachdem er kurz zuvor das Rothenfelser Bürgerrecht erhalten hatte. Sofort benannte er den Betrieb in "Bierbrauerei Andreas Bayer Rothenfels" um.
Wann hier das erste Mal Bier gebraut wurde, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass in Rothenfels schon 1594 ein Hanns Lang als Bierbrauer tätig war. Wo er aber sein Handwerk ausübte und wie lange, ist bis heute nicht nachweisbar. Auch um 1800 wurde Bier gebraut. Denn damals bereits müssen die französischen Truppen und die Mainzer Husaren das Rothenfelser Bier geschätzt haben. Liegen doch aus dem Jahre 1801 Befehle beider Offizierskorps vor nach dem Abrücken in die jeweilige Richtung „mehrere Eymer und Maaß Bier“ nachzusenden.
Franz Kellers Vater Friedrich und danach dessen Witwe betrieben schon die Brauerei. Davor ist 1835 bereits ein Karl Scheiner genannt. Vermutlich handelte es sich aber bis zur Übernahme durch Bayer um eine reine Gasthausbrauerei.
Andreas Bayer verlor seine Frau bereits 1898 und er heiratete daraufhin ihre Schwester Eva Schubert. In den folgenden Jahren führte man mit der anderen ortsansässigen Brauerei Amrhein einen erbitterten Konkurrenzkampf, in welchem letzten Endes Amrhein im Jahre 1913 mit Schließung seines Betriebes den Kürzeren zog.
1899 gab es in Rothenfels fünf Gastwirtschaften, drei Weinwirtschaften, zwei Heckenwirtschaften und außerdem waren noch die zwei Brauereien da. Und das bei 600 Einwohnern! 1912 bauten Eva und Andreas Bayer praktisch eine neue Brauerei, die modernsten Anforderungen genügte. Zwei Kostenbeispiele für die Einrichtungen seien hier genannt. Die Malzdarre (8 qm) mit Feuerung und allem Zubehör von der Firma Müller in Erfurt kostete 2.100 Mark. Die Mälzerei wurde übrigens bis 1964 betrieben. Eine Braupfanne aus Kruppstahl für etwa 30 hl Ausschlagmenge von der Firma Huppmann in Kitzingen kostete 410 Mark. Außerdem wurde eine Brauereigaststätte gebaut. Ihr Name: „Zur Rose“. 1913 richtete Bayer dazu noch eine Gartenwirtschaft mit Kegelbahn ein. Wegen zunehmendem Absatz musste er den 100 m weiter nördlich gelegenen Felsenkeller zur Bierlagerung nutzen. Anfangs wurde das eingebraute Bier in Holzbutten in den Keller verbracht, später baute man eine Bierleitung rund um die Pfarrkirche zum Felsenkeller. Allerdings konnte hier das Bier nur in den Sommermonaten gelagert werden. Im Herbst musste umgekellert werden, d.h. sämtliche Lagerfässer wurden im Keller des Hauptgebäudes untergebracht.
Noch in den 30er Jahren des 2o. Jahrhunderts betrieb man Landwirtschaft Die Bierbelieferung der Wirtekunden geschah noch mit Ochsengespannen und später mit Pferden. 1939 stirbt der Firmengründer Andreas Bayer. Sein Sohn Albrecht (1899-1953) führt die Brauerei weiter. Die Kriegsjahre fordern ihren Tribut. Zeitweise musste der Braubetrieb stillgelegt werden. Irgendwelche Investitionen oder bauliche Veränderungen waren nicht möglich. Erst nach Kriegsende wurde wieder gebraut. Die amerikanische Militärregierung in Lohr erlaubte nur das Einbrauen von 1,8-prozentigem Dünnbier, das den Besatzern aber offensichtlich nicht schmeckte. Bald erhielt man die Erlaubnis, ein 8-prozentiges Bier herzustellen, jedoch nur für die amerikanischen Truppen. Mit der Währungsreform normalisierte sich das aber rasch, 1949 gab es wieder 12-14-prozentiges Bier.
1953 starb Albrecht Bayer, erst 54-jährig. Obwohl sie noch recht jung waren, mussten seine Söhne Alfred und Hermann zusammen mit ihrer Mutter Anna den Betrieb übernehmen. Es hatte sich ein hoher Nachholbedarf an Investitionen angestaut, den Alfred mit großer Energie abzubauen begann. Die Erweiterung der Gär- und Lagerkellerkapazitäten war dringend notwendig. Die künstliche Kühlung wurde umfassend eingerichtet, die Umstellung von Holzfässern und – bottichen auf Aluminiumbehälter vorgenommen, der erste Lieferwagen angeschafft. 1955 richtete ein verheerendes Unwetter in der Brauerei großen Schaden an. Die Wassermassen führten Bierfässer, Flaschen, Kästen und Einrichtungsgegenstände mit sich fort. Maschinen und Fahrzeuge wurden beschädigt. Alfred Bayer ging mit Eifer sofort daran die entstandenen Schäden zu beseitigen. Das „Bräustüble wurde eingerichtet und das frühere Wirtschaftsgebäude saniert. 1960 erneuerte man ebenfalls das Betriebsgebäude, in welchem sich die Flaschenfüllerei, der Drucktankraum und die Werkstatt befinden. 1963 wurden Kältemaschinen, Kompressoren, Kühlschiff und ein Festzelt angeschafft, sowie ein Kühlhaus und ein Filterkeller gebaut. Die Kapazitäten von Gär – und Lagerkeller wurden auf 300 hl bzw. auf über 1.000 hl erhöht. In der Zwischenzeit wurde Alfred Bayer 1962 Alleininhaber. Die nächste große Investition war 1967 der Einbau eines Zweigerätesudwerks aus Kupfer mit einer Kapazität von 6.200 ltr. 1974 wurde ein großer Lagerraum mit LKW – Halle gebaut, um der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden.
Sohn Andreas legte 1981 die Meisterprüfung ab und stieg in das elterliche Geschäft ein.

Im März 2011 wurde der Braubetrieb eingestellt, die Biere werden seither im Lohnbrauverfahren von der Burgbrauerei Herzog von Franken, Thüngen (Ufr) hergestellt.
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