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Aschaffenburg (Unterfranken)

Bavaria-Brauerei -1900 bis 1981

63739 Aschaffenburg

Gründer der Brauerei war der Bierbrauer Georg Adam Ebert aus Obersteinbach bei Eltmann. Er kaufte die ehemalige „Reitzsche Brauerei“ in der Sandgasse. Nach mehreren Anläufen erhielt er 1849 endlich das Bürgerrecht in Aschaffenburg, nachdem er bereits 1848 die Braukonzession verliehen bekommen hatte.

Durch den geschäftlichen Aufschwung wurde ihm das Grundstück bald zu eng. Das Anwesen wurde verkauft. Um 1852 erwarb Ebert die Brauerei „Zum Alten Hopfengarten“ in der Strickergasse, die der Sohn 1872 übernahm. Auch er vergrößerte durch Zukäufe das Gelände. So erwarb man 1888 u.a. das Areal der ehemaligen Tabakwarenmanufaktur und 1893 Grundstücksteile des früheren Bezirksamtes. Nun konnte man den neuen „Hopfengarten“ errichten. Wilhelm Ebert besaß außerdem das Anwesen Herstallstraße 3, besser bekannt unter dem Namen „Zum Wurstbendel“, das er aber bereits 1895 an die Aktienbierbrauerei verkaufte. Im gleichen Jahr veräußerte er dann auch das gesamte Brauereigelände sowie einen Bauplatz an der Luitpoldstraße an die „Aktienbrauerei Hopfengarten“ für 670.000 Mark.

Kurze Zeit später erwarb Wilhelm Ebert das ehemalige Kasernengelände zwischen der Weißenburger- und der Heinsestraße, um dort eine moderne Brauerei zu errichten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die Söhne Georg und Karl im Geschäft tätig. In den folgenden Jahren wurde eine vollkommen neue Braustätte gebaut, und als Wilhelm Ebert den Betrieb seinen beiden Söhnen übergab, war das Haus wohlbestellt. Die Brauerei war ausgelegt auf eine Produktion von 60.000 hl pro Jahr. Natürlich konnte diese Menge nicht ohne zusätzliche Investitionen erreicht werden, aber es waren keine wesentlichen baulichen Erweiterungen mehr nötig.

Die Eberts erließen 1903 eine Arbeitsordnung, die rechtsverbindlich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Arbeitsvertrag galt. Die wichtigsten Bestimmungen daraus sind es wert hier festgehalten zu werden. In § 2 heißt es, dass beide Seiten eine vierzehntägige Kündigungsfrist haben. § 3 beinhaltet die Arbeitszeit. Sie begann um 6 Uhr morgens und endete um 6 Uhr abends bei drei Pausen von zusammen zweieinhalb Stunden. § 6 legt fest, dass jeder Arbeiter vier Liter Freibier pro Tag erhält. Nach § 10 ist jeder Arbeiter verpflichtet an Sonn- und Festtagen abwechselnd die Jour (Bereitschaftsdienst) zu halten und evtl. Bier zu den Kunden zu bringen. Dafür bekommt er eine Vergütung von zwei Mark.



 

 

Im letzten § 12 heißt es wörtlich: „Arbeiter, die im Geschäft in betrunkenem Zustande angetroffen werden, müssen auf Grund des Unfallversicherungsgesetzes von der Arbeit entfernt werden“.

1908/09 waren etwa 30 Personen beschäftigt. Der Fuhrpark umfasste damals 14 Pferde und 15 Fahrzeuge unterschiedlichster Art wie Bier-, Eis- und Rollwagen. Die Bierproduktion umfasste damals schon helle Biere Pilsner Brauart, dunkle Biere und, je nach Jahreszeit, Bock- und Märzenbier.

Die technische Einrichtung wurde von den Brüdern Ebert stets auf hohem Stand gehalten. Das war mit ausschlaggebend dafür, dass die Bavaria-Brauerei bis nach dem Ersten Weltkrieg an zweiter Stelle der Aschaffenburger Brauereien stand. Sie produzierte damals etwa 20.000 hl Bier. Die verheerenden Auswirkungen des Krieges und der Inflation blieben nicht aus. Der Bierausstoß sank 1923/24 auf ca. 5.000 hl. Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise erholte er sich wieder auf 22.000 hl.

Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur erhebliche Absatzverluste, sondern fügte dem Betrieb auch schwere Bombenschäden zu, die man aber nach 1945 mit großer Energie wieder beseitigte. Das einsetzende Wirtschaftswunder kurbelte auch den Absatz wieder an. Waren es 1948 nur noch 4.500 hl Ausstoß, so stieg die Produktion bis 1968 auf 28.000 hl.

In der Zwischenzeit übernahmen Georg Ebert und sein Schwager Dr. Wilhelm Franz Matt die Verantwortung für das Geschäft. 1981 gab es einen einschneidenden Gesellschafterwechsel, Georg Ebert schied aus und Oskar Eder von der Brauerei Eder in Großostheim wurde Mitinhaber der Bavaria-Brauerei. Walter Matt, Sohn von Dr. Wilhelm Franz Matt, blieb zwar kaufmännischer Leiter, aber das Ende war vorprogrammiert. Dringend notwendige Investitionen wurden nicht mehr vorgenommen, die Produktion wurde im November 1981 eingestellt. Die etwa 20 Beschäftigten übernahm Eder.
Quelle: www.brauereien.faust.de

 

Bayerische Aktien-Bierbrauerei -1867 bis 1975

63739 Aschaffenburg

Über 100 Jahre hat die BABA, wie sie schon kurz nach ihrer Gründung allgemein genannt wurde, bestanden. Bereits am 18.12.1866 haben sechs Aschaffenburger Bürger den Beschluss gefasst eine neue Brauerei auf einem Gelände an der Glattbacher Straße zu bauen. Alleine schon deshalb sollte es an dieser Stelle sein, weil hier das Wasser der Glattbach durch eine entsprechende Leitung leicht nutzbar gemacht werden konnte. Am 1. Februar 1867 wurden die Bauarbeiten vergeben und bereits im Dezember wurde die Brauerei in Betrieb genommen. Am 2. April 1868 erfolgte in Anwesenheit aller Verwaltungsratsmitglieder die erste Bierprobe. Die Gesamtkosten einschließlich Grunderwerb beliefen sich auf fast 200.000 Gulden, der Kostenvoranschlag wurde damit erheblich überschritten. Das Startkapital betrug 46.000 Gulden, wofür 26 Personen gezeichnet hatten. Der Eintrag in das Registergericht erfolgte am 18. Juli 1867.

Die Brauerei war zunächst ausgelegt auf eine Produktion von 10.000 hl, was sich bald als zu gering herausstellte. Man musste an Erweiterungsinvestitionen gehen. Innerhalb von wenigen Jahren machte man sich dank der hervorragenden Qualität des Bieres einen guten Namen. Der Großherzog von Hessen verlieh der Brauerei den Titel „Hoflieferant“. Zum 25-jährigen Bestehen 1892 wurde ein Ausstoß von 34.000 hl erreicht. Die BABA war damit Aschaffenburgs größte Brauerei.

Von besonderer Bedeutung waren die Jahre 1899/1900. Innerhalb von nur 1 1/2 Jahren übernahm sie die Brauerei »Zum Hopfengarten«, »Die Gesellschaftsbrauerei«, sowie die Brauereien »Zum Wurstbendel« und »Zur Rose«, womit sie eindeutig zum Branchenführer avancierte. Der Kaufpreis für diese vier Betriebe belief sich auf zwei Mill. Mark, der durch eine Aufstockung des Aktienkapitals auf drei Mill. Mark aufgebracht wurde. Bereits 1873 war man schon einmal gezwungen dieses um eine Mill. Mark zu erhöhen. Vor der Jahrhundertwende musste erheblich in Erweiterung und Umstrukturierung investiert werden. Innerhalb von zwei Jahren wurden 1,5 Mill. Mark verbaut. Schon 1895 begann man Bier in Flaschen abzufüllen und dieses erfolgreich zu exportieren. Im Zuge der Erweiterungsinvestitionen wurden die Mälzerei und die Verwaltung in den „Hopfengarten“ verlegt.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg geriet die BABA – und nicht nur diese – in eine schwere Wirtschaftskrise, verursacht durch rapid steigende Gersten- und Malzpreise, die enormen Zollerhöhungen, die lokale Biersteuererhöhung (1907), sowie die Folgen des neuen Reichsbrausteuergesetzes (1909). Die Auswirkungen der dadurch dringend notwendigen Bierpreiserhöhung möge folgende Zeitungsmeldung illustrieren: „Wie schwer die Verbraucher die Preiserhöhung von nur 1 Pfennig pro 1/2 ltr Bier verwinden konnten, zeigte sich nicht nur allenthalben an Käuferstreiks, sondern auch in der Tatsache, dass als Folge die Umsätze um mehr als 10% zurückgingen“.

In der Folgezeit übernahm die BABA »Die Löwenbrauerei Goldbach« (1908) und »Die Brauerei Dörr« in Hanau (1910). Zur Konsolidierung trugen auch die Aktionäre bei, die ab 1907 auf die Dauer von acht Jahren auf eine Dividende verzichteten. Damit waren aber wohl noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt. Einer Zeitungsmeldung vom 6. Juli 1914 ist zu entnehmen: „Die schon öfter rekonstruierte Bayerische Aktienbier Brauerei, welche seit Jahren keine oder nur eine geringe Dividende abwirft, soll einer neuen Rekonstruktion unterworfen werden“.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann eine neue wirtschaftliche Krise. Besonders das lukrative Versandgeschäft kam fast völlig zum Erliegen. Die Malzbeschaffung wurde mit zunehmender Kriegsdauer immer problematischer und teurer. Während des Krieges musste die BABA zeitweise vom Aufsichtsrat geführt werden. 1918 war der Bierabsatz mit 55.000 hl fast auf die Hälfte der Vorkriegszeit geschrumpft.

1900 hatte er noch ca. 100.000 hl betragen. Erst 1928/29 erreichte man wieder diese Marke. Leider war die Sanierungsphase nur von kurzer Dauer, denn die Weltwirtschaftskrise machte auch vor der BABA nicht halt. Der Absatz verminderte sich auf ein Viertel. Ab 1933 ging es wieder aufwärts. Zu Kriegsbeginn 1939 war man wieder bei 100.000 hl angelangt. In der Zwischenzeit hatte die Bank für Brauindustrie die Aktienmajorität erworben. Somit endete die Verantwortlichkeit Aschaffenburger Bürger als Aktionäre. Nach dem Krieg, der auch schwere Gebäudeschäden brachte, musste man, wie so viele Betriebe, praktisch von vorne anfangen. Erst 1962 wurde der Vorkriegsausstoß wieder erreicht. Eine gewisse Expansion bedeutete 1963 der Erwerb der „Wiesbadener Felsenkeller-Brauerei“. 1970 brachte dann einen gravierenden Einschnitt mit der Verschmelzung der größten Aschaffenburger Brauerei mit der „Brauerei Binding“ in Frankfurt. BABA gewann damit zwar vorübergehend an Umsatz – 200.000 hl wurden angepeilt, jedoch nicht erreicht, – verlor aber vollends ihre Selbstständigkeit, was sich auch im Namen ausdrückte. Ab jetzt hieß sie „Bindingbrauerei AG, Zweigniederlassung Aschaffenburg“. 1974 wurde mit 170.000 hl der höchste Jahresumsatz erzielt, ein Jahr später die Brauerei dann endgültig stillgelegt. Erst wenige Jahre zuvor hatte man ein neues Sudhaus errichtet. Als Grund für die Stilllegung hieß es: Zwang zu Konzentration und Rationalisierung im gesamten deutschen Braugewerbe.
Quelle: www.brauereien.faust.de

 

Erbsenschwind - 1804 bis 1921


63739 Aschaffenburg  

 

Die Bierbrauerei und Gastwirtschaft Erbsenschwind
Um 1850 dürften in Aschaffenburg noch über 20 Brauereien existiert haben. 50 Jahre später waren es nur noch elf. Einer dieser alteingesessenen Betriebe war die Brauerei "Erbsenschwind", die bis nach dem Ersten Weltkrieg Bier braute.

Schon Ende das 18. Jahrhunderts bestand die Brauerei. Der erste nachweisbare Besitzer der Erbsengasse 1 war der Küfermeister Lorenz Pfeifer. 1804 baute er ein Rückgebäude, damit er eine konzessionierte Gartenwirtschaft betreiben konnte. Er war nicht nur Wirt, sondern auch Bierbrauer. 1807 konnte er durch Grundstückszukauf erweitern. Die Bierproduktion deckte zu diesem Zeitpunkt wohl nur den Eigenbedarf.

1817 kaufte ein Spross der bekannten Aschaffenburger Brauerfamilie Löchler, Peter Löchler, das Anwesen, wo er schon vorher die Brauerei betrieb. Bereits 1815 erhielt er dafür die Konzession. Etwa 1846 übernahm sein Sohn Vinzenz (1821-1885) die Brauerei, der den Bierausstoß innerhalb kurzer Zeit erheblich steigerte. Wurden 1843 nur 50 hl als Sommerbiervorrat genannt, so wurden daraus bis 1854 ca. 550 hl.

Vinzenz Löchler erhielt die Konzession 1846/47, verbunden mit der Erlaubnis zur Abgabe von warmen Speisen und Getränken an seine Schankgäste.

Er ging bald daran im rückwärtigen Hof ein neues Brauhaus zu erstellen und er erhielt auch die Erlaubnis zur Ableitung des sogenannten Feuerbaches aus der Ohmbachsgasse in sein Anwesen, da das Wasser aus seinem eigenen Brunnen „zu hart ist und für die Brauerei nachteilig“.

1863 erwarb Vinzenz Löchler die Konzession „zu den drei Reichskronen“, verkaufte aber noch im gleichen Jahr sein gesamtes Anwesen an den aus Speyer stammenden Bierbrauer Julius Schwesinger. Dieser verkaufte es schon nach fünf Jahren weiter. Schwesinger verzog nach Miltenberg, wo er 1880 das Bürgerrecht erhielt und es bis zum Ehrenbürger brachte.

Valentin Schwind erwarb Brauerei und Wirtschaft und ging bald daran durch verschiedene Baumaßnahmen die Kapazität zu erhöhen. So entstanden u.a. zwei Lagerhallen, ein Eiskeller, sowie neue Gär- und Lagerkeller.

1878 wurden die Wirtschaft und das Wohnhaus erweitert. Als letzte größere Maßnahme errichteten seine Söhne Philipp und August Simon ein neues Sudhaus.

Die Brauerei hatte zu diesem Zeitpunkt eine nicht unbedeutende Größe erreicht. Sie belieferte immerhin mehr als 20 Gaststätten mit ihrem Bier.Die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs waren vermutlich die Ursache, dass der Brauereibetrieb 1921 eingestellt wurde. Kunden und Vorräte wurden von der Heylands Brauerei übernommen. Die Gebäude blieben noch bis 1954 im Besitz der Familie Schwind. Aschaffenburg wurde um einen traditionsreichen Betrieb ärmer. Lediglich die Gaststätte „zum Erbsenschwind“ hält noch die Erinnerung wach. Quelle: Faust.de

 

Brauerei Geiger - 1856 bis 1909

Rossmarkt 19
63739 Aschaffenburg

Das Grundstück Rossmarkt 19 wird bis in das 16. Jahrhundert den Herren von Wasen zugeschrieben. Es gelangte danach in erzbischöflichen Besitz unter Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg. Der Erzbischof ließ auf seinem neu erworbenen Grundstück ein „kurfürstliches Jagdhaus“ erbauen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherbergte dieses Schlösschen das Landgericht.
Als Bierbrauerei wird das Gebäude erstmals 1856 erwähnt, jedenfalls in den greifbaren Quellen: Die Schildgerechtigkeit vom „Römischen Kaiser“ in der Strickergasse wird nach dem Rossmarkt 19 transferiert. Inhaber des Betriebs war zu diesem Zeitpunkt der Gastwirt und Posthalter Heinrich Müller (1791-1869), verehelicht mit Anna Marie, geb. Gutjahr (1789-1827). Später, in welchem Jahr ist nicht bekannt, vielleicht nach dem Tode Müllers 1869, übernahm der Bierbrauer Nikolaus Geiger, geb. 1850, das Geschäft.
Geiger stellte als neuer Besitzer 1881 das Gesuch zur Bürgerannahme, was ihm auch bald gewährt wurde, ebenso drei Jahre später die Eheerlaubnis mit Theresia Anna Maria Will (geb. 1867). Bis 1909 behielten die Geigers den Betrieb. Um die Jahrhundertwende wird immer nur von Theresia Geigers Brauerei gesprochen, was auf einen frühen Tod ihres Mannes hinweisen könnte. Dann verkaufte sie die ganze Liegenschaft an Philipp Schwind, Eigentümer der unmittelbar angrenzenden Heylands-Brauerei. Die Brauerei Geiger wurde stillgelegt.
Über die Brauerei selbst wissen wir leider gar nichts, weder über die Entwicklung, den Umsatz, noch die Bierproduktion. Es ist zu vermuten, dass Geiger nur für den eigenen Bedarf braute.
Quelle: www.faust.de

 

Brauerei Stein - 1800 bis 1973

Ihre Ursprünge reichen in das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. 1798 wendet sich der Küfer Johann Trageser an die Kurfürstlich Hohe Landesregierung mit der Bitte ihm die Schildgerechtigkeit samt Braurecht für sein Anwesen, "zwischen Heinrich Ritter und der Kahl" gelegen, zu erteilen. Wörtlich heißt es in seinem Antrag:

"Ich bin meiner Profession ein Bender; auf dieß aber und meinen wenigen Feldbau bin ich nicht im Stande, mich und meine zahlreiche Familie zu ernähren; besonders, wo wegen der Nähe der Stadt Aschaffenburg, auch bei den besten Weinjahren, die Freigerichtler ihre nötige neue Fässer in Aschaffenburg kaufen oder daselbst verfertigen lassen; mithin habe ich als Bender das ganze Jahr durch wenig - fast gar keine Nahrung; und nur hie und da den unbedeutenden geringen Verdienst von Reparatur alter Fässer."

Er hat das Braurecht erhalten. Damit war diese Brauerei um 1800 erst die zweite - neben Hörstein - im bayerischen Teil des Freigerichts.

Johann Tragesers Sohn Peter übernahm 1819 die Brauerei, die er 1835 an Valentin Funk verkaufte. Dieser erweiterte das Anwesen, hatte aber vermutlich keinen großen Erfolg, denn Ende der 70er Jahre ging er in Konkurs. Aus der Konkursmasse des heruntergewirtschafteten Betriebs erwarb sie 1879 der Lehrersohn Emil Stein (1845-1926) für 24.500 Mark. Anfangs braute er nur für die eigene Wirtschaft, doch bald belieferte er auch andere Gaststätten. Die einzige Tochter, Wilhelmine, heiratete 1905 den Apotheker August Zieglwalner, der zum Bierbrauer umschulte und den Betrieb recht erfolgreich weiterführte. Bereits 1906 erweiterte und modernisierte er die veralteten Anlagen. 1912 übernahm er die Geschäftsführung und das Eigentum der Brauerei. Die um 1830 entstandene zweite Alzenauer Brauerei und Gastwirtschaft Hock wurde 1923 übernommen. August Zieglwalner verunglückte am 4. 2. 1925 auf tragische Weise. Ein Vetter von Frau Zieglwalner, Dr. Eugen Kerber, führte nun die Geschäfte weiter. Die allgemeine wirtschaftliche Depression Anfang der 30er Jahre machte natürlich auch vor der Brauerei Stein nicht halt. Nur mühsam konnte die Talfahrt bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder wettgemacht werden. Nach dem Krieg, mit Beginn des Wirtschaftswunders, setzte ein Aufschwung ein, der in der Brauerei zahlreiche Investitionen auslöste: Würzekühlanlage, Erweiterung der Lagerkeller und des Gärkellers. Dem Anstieg des Flaschenbieranteils trug man Rechnung durch die Installation einer modernen Flaschenfüllerei mit einer Stundenleistung von 10000 Flaschen. Dr. Kerber war in der Zwischenzeit alleiniger Geschäftsführer.

 

Die in den 60er Jahren einsetzende Sättigung des Biermarktes machte sich immer stärker bemerkbar. Die Großbrauereien im Raum Aschaffenburg - Frankfurt setzten der einzigen im Kahlgrund verbliebenen Privatbrauerei immer mehr zu und so wurde sie im Januar 1973 stillgelegt. Die Kundschaft übernahm die Binding-Brauerei. Die Brauereigebäude wurden 1978 und 1992 abgerissen.

Heute erinnert nichts mehr an die einst blühende Brauerei Stein. Abgesehen von einer Gasthofbrauerei gibt es heute im Kahlgrund keine Brauerei mehr.

Quelle: www.faust.de

 

Heylands Brauerei - 1770 bis 2000

Rossmarkt 19
63739Aschaffenburg

1792 gibt die Heylands Brauerei offiziell als Gründungsjahr an. Tatsächlich ist sie mehr als 20 Jahre älter. Denn schon 1770 ging der Bierbrauer und Küfer Jakob Franz Löchler - aus der bekannten Brauerfamilie Lögler/Löchler stammend - seinem Handwerk nach und begann zu dieser Zeit mit dem Aufbau eines kleinen Brauereibetriebs. Dieser Jakob Franz Löchler "legalisierte" sein Unternehmen schließlich 1796, als er ein Konzessionsgesuch an den Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal richtete. Noch im gleichen Jahr, am 26. Oktober, bekam er die Braugerechtsame mit Backfeuerrecht erteilt. Im Jahre 1802 übergab er den inzwischen anerkannten und gut florierenden Betrieb seinem Sohn Christian und dessen Ehefrau, geb. Flach. Dieser Christian Löchler (1773-1845), schon seit 1797 Mitglied der Küfer- und Bierbrauerzunft, bot in seiner Wirtschaft neben dem eigenen Bier auch Rebensaft an, so z.B. Klingenberger Wein. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden modernisierte er nicht nur die väterliche Brauerei, er erwarb am Rossmarkt ein Haus von dem Direktionsrat und Kriegszahlmeister Baader, wo er ein neues Brauhaus mit kleinem Kessel errichtete. Der Brauereibetrieb befand sich noch in der Fischergasse 4. Mit dem Baaderhaus gab es anfangs "nachbarschaftliche Streitigkeiten", denn die Anlieger waren mit dem Rossmarktprojekt Löchlers nicht einverstanden. Erst im Oktober 1807 konnte er dort die Arbeit aufnehmen und ein weiteres Jahr später erhielt er dafür das Bierbrau-Feuerrecht.

Dass es zu dieser Zeit mit der Bierqualität nicht immer so weit her war, liegt auf der Hand, denn es fehlte an der entsprechenden Aufsicht. Schließlich sah sich die Obrigkeit gezwungen entsprechende Anordnungen zu erlassen. Die kurfürstliche erzkanzlerische Landesdirektion erließ darum 1804 genaue Vorschriften, an die sich zunächst aber keiner hielt. Darum wurde auch der Stadtmagistrat aktiv und drohte bei Zuwiderhandlung mit drastischen Strafen. Die Löchlers soll es auch mehrere Male getroffen haben.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts übergab Christian Löchler die Brauerei an seinen Schwiegersohn Friedrich Philipp Simon aus Regensburg, der 1838 als Küfer- und Bierbrauergeselle - als "Insasse" - angenommen wurde. Im gleichen Jahr erhielt er die Heiratserlaubnis mit Margaretha Löchler. Simons Gesundheitszustand gab den Ausschlag dafür, dass seine Frau die "Hausbrauerei" führen musste. Die Konzession zum "generellen Bierbrauen" erhielt er erst 1845, was dann eine Erweiterung der kleinen Räumlichkeiten am Rossmarkt erforderlich machte. Zu dieser Zeit lag er mit einer Produktion von 800 hl an vierter Stelle unter den Aschaffenburger Brauern. Nach dem Tod Simons übernahm dessen Sohn Christian den Betrieb. Trotz mütterlicher Unterstützung entwickelte sich die Brauerei zunächst offensichtlich nicht besonders gut. Bald aber sind doch wieder Um- und Ausbauten fällig gewesen. 1871 verkaufte Simon sogar Bier an die neu gegründete BABA. Ein Jahr später veräußerte er Brauerei und Wirtschaft an Wilhelm Carl Heyland aus Hungen bei Gießen, der zur selben Zeit als Küfer und Bierbrauer in den "Bayerischen Staatsverband" aufgenommen wurde. Gleichzeitig erhielt er das Bürgerrecht und die Ehebewilligung.

Heyland baute am Rossmarkt weiter aus. Er schuf eine neue Einfahrt und installierte einen neuen Lagerkeller. Seine Söhne hatten offenbar kein Interesse am Geschäft und so verkaufte er es 1890 - zwei Jahre vor seinem Tod - an den Bierbrauer Philipp Schwind. Ab da firmierte die Brauerei unter dem Namen "Heyland-Schwind". Schwind modernisierte und erweiterte den Betrieb. Innerhalb von nur fünf Jahren kamen ein Eiskeller, eine Halle, eine Kegelbahn und eine Kühlanlage dazu. Hinzu kam der Erwerb von Nachbargrundstücken, so 1909 die Geigersche Brauerei, die umgehend stillgelegt wurde.

Trotz der negativen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs hatte man 1920 schon einen Ausstoß von 10.000 hl und braute 1923 bereits 18.000 hl. Es gab in dieser Zeit einen enormen Aufschwung, erzielt durch die Gewinnung vieler Wirtschaften und sonstiger Bierabnehmer in der näheren Umgebung. Dieser Aufschwung setzte sich auch unter den Söhnen Philipp und Adolf fort. Es musste auch weiterhin fortlaufend investiert werden.1940 erreichte man einen Ausstoß von 30.000 hl.

Im Zweiten Weltkrieg dienten die vorhandenen Keller als sicherer Zufluchtsort für die Bevölkerung während der Luftangriffe. Obwohl die Brauerei zum großen Teil zerstört war, produzierte man schon Ende des Jahres 1945 wieder, wenn auch in geringem Umfang. Aber der komplette Wiederaufbau zog sich doch bis 1957 mit der Installierung eines neuen Sudhauses hin.

Der Aufwärtstrend war weiterhin ungebrochen. 1965 produzierte man bereits 100.000 hl. In der Zwischenzeit war mit Ernst (1959) und mit Wolfgang Schwind (1965) die nächste Generation aktiv. Die Übernahme der Schlappeseppel-Brauerei 1978 bedeutete einen weiteren expansiven Schritt. In den folgenden Jahren erfolgten viele Erweiterungsinvestitionen, u.a. wurden ein neuer Gärkeller gebaut und eine leistungsfähigere Flaschenfüllanlage installiert.

Trotz der positiven Entwicklung endete 1991 die Ära Schwind. Die Brauerei wurde von der Henninger-Brauerei in Frankfurt übernommen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Bierausstoß bei 200.000 hl. 1999 kaufte die Brauerei Eder in Großostheim die Heylands-Brauerei. Am Rossmarkt wird seit dem Jahr 2000 kein Bier mehr gebraut.

 

Brauerei "Zum Alten Hopfengarten" - 1750 bis 1899

Strickergasse 8
63739Aschaffenburg

Die Brauerei "Zum Alten Hopfengarten", wie sie sich früher nannte, gehörte zu den ältesten Betrieben dieser Zunft in Aschaffenburg. Christoph Löchler, Wirt im "Grünen Baum", hat um 1750 das Anwesen Strickergasse 8 erworben. Bereits ein Jahr später richtete er an die Stadt den Antrag, ihm den für seinen Betrieb nötigen Wasseranschluss zu genehmigen; und zwar „eine Ableitung von der herrschaftlichen Wasserleitung seiner Nachbarin, der Kammerrätin Felicitas Horn“. Dies wurde ihm jedoch nicht bewilligt. Offensichtlich wurde danach eine andere Lösung gefunden.

Bis 1784 scheint der "Hopfengarten" von Christoph Löchler geführt worden zu sein. Danach erhielt der branchenfremde Christoph Winkler (1752 – 1823), ein Schornsteinfegermeister aus Ladenburg am Neckar, nach der Annahme als Bürger auch die Genehmigung für die Bierbrauerei. 1806 ließ er zur Betriebserweiterung einen Hinterbau errichten. Weitere Um- und Anbauten waren geplant, wurden aber nicht mehr durchgeführt, da er 1823 starb. Seine Witwe, ebenfalls als Mitglied des Bierbrauergewerbevereins genannt, übergab den Betrieb 1826 an ihre Kinder Franziska und Heinrich. Letzterer führte ihn bis zu seinem Tod 1831. Anschließend kam sein Schwager Jakob Zang, der seit 1829 eine Küferkonzession besaß, zum Zuge. Aber auch er verstarb schon 1838 im Alter von nur 33 Jahren. In der Nachfolge erscheint dann der Bierbrauer Jakob Rausch (1800 – 1855), der 1839 in die Brauerzunft aufgenommen worden war. Zu dieser Zeit hatte der Betrieb einen geschätzten Wert von 4000 Gulden. Es handelte sich also um eine kleinere Brauerei, worauf auch der um 1845 genannte Sommerbiervorrat von nur 166 Eimern (ca. 100 hl) schließen lässt.

Ein Jahr vor seinem Tod verkaufte Reusch den "Hopfengarten" für 7210 Gulden an Adam Anton Damrich aus Großostheim. Fachlich führte ihn aber der aus Obersteinbach bei Eltmann stammende Braumeister Georg Ebert, der nach mehreren Gesuchen 1849 die Bürgerannahme und die Brauereikonzession, sowie die Eheerlaubnis mit Elisabeth Damrich, der Tochter seines Geschäftspartners, erhielt.

 

 

Ebert und Damrich konnten schon nach wenigen Jahren den Bierabsatz erheblich steigern, er betrug um 1850 ca. 650 hl. 1872 übernahm Eberts Sohn Wilhelm (1850 – 1909) den elterlichen Betrieb. Unter seiner Leitung expandierte er sehr stark. 1888 erwarb er einen Teil der ehemaligen Tabakfabrik Christ und 1893 erfolgte der Zukauf eines Grundstücks des ehemaligen Bezirksamtes.

Im darauf folgenden Jahr wurde dann der "Hopfengarten" errichtet, wie er bis 1974 zu sehen war. Dieses architektonisch durchaus gelungene Bauwerk bedeutete offensichtlich aber eine Zäsur. Denn nur ein Jahr später verkaufte Wilhelm Ebert den gesamten Komplex, einschließlich Brauerei, an die gerade gegründete ACTIENBRAUEREI ZUM HOPFENGARTEN zusammen mit einem Grundstück an der Luitpoldstraße für ca. 600.000 Mark. Der Erfolg dieser neuen AG war aber nicht überwältigend. Nach kurzem Anstieg blieb der Bierabsatz weit hinter den Erwartungen zurück, wie folgende Zahlen belegen. Wurden 1895/96 noch 45.200 hl verkauft, waren es 1896/97 nur noch 35.400 hl. Es war logisch, dass diese Entwicklung Folgen hatte. Auch die 1895 neu gegründete Aktiengesellschaft "Actienbrauerei Zum Hopfengarten" mit einem Grundkapital von 1.000.000 Mark konnte den Niedergang nicht aufhalten und so übernahm die „Bayerische Aktienbrauerei Aschaffenburg – kurz BABA genannt – 1899/1900 für rund 850.000 Mark den "Hopfengarten". Die Brauerei wurde bald stillgelegt, die vorhandene Mälzerei noch einige Jahrzehnte weiterbetrieben. Ein Hauch von Wehmut schwingt schon mit, wenn man an den endgültigen Untergang des "Hopfengarten", der mit dem Abriss des attraktiven Gebäudes 1974 vollzogen wurde, zurück denkt.
Quelle: www.brauereien.faust.de

 

Brauerei "Zum Kalten Loch" - 1838 bis 1912

Badergasse 3
63739Aschaffenburg

Woher der originelle Name "Zum Kalten Loch" stammt, ist nicht bekannt. Im Volksmund hielt sich das Gerücht, die Benennung stamme von den kalten Steinbänken, die früher im Gastzimmer der dazu gehörigen Wirtschaft gestanden haben sollen. Die Folgen vom allzu langen Sitzen soll der Wirt dann über den Wirtschaftseingang geschrieben haben.

Die Geschichte vom "Kalten Loch" beginnt relativ spät, und zwar erst 1838. Am 8. April dieses Jahres erhielt nämlich Joseph Geiger, geb. 1805 in Aschaffenburg, verehelicht mit Katharina, geb. Christ, lt. Königlichem Regierungsdekret die Konzession zum Bierbrauen und zur Verabreichung warmer Speisen an seine Schankgäste. Er kaufte im gleichen Jahr das Haus des Adam Lippert in der Badergasse 3, um darin seine Brauerei einzurichten.

1843 betrugen seine Sommerbiervorräte 434 Eimer, was etwa 260hl entspricht. Das zeigt, dass der Betrieb weder groß noch klein war. Um konkurrenzfähig zu bleiben musste Geiger bald erweitern. Nach einem neuen Wohnhaus 1859 errichtete er 1867 neue Lager- und Eiskeller. 1870 entstand u.a. ein Malzspeicher.

1871 verstarb Joseph Geiger. Seine Witwe Katharina sowie seine beiden Söhne Joseph und Franz Nikolaus führten Brauerei und Schankwirtschaft und vergrößerten beide im Laufe der Jahre. Nach dem Ableben der Mutter 1877 leitete Joseph den Betrieb, braute aber im Anwesen seines Bruders, was bedeutete, dass der erstgeborene Joseph die Leitung der Brauerei, sein zwei Jahre jüngerer Bruder aber das Anwesen erbte. Die Brüder Geiger starben innerhalb eines knappen Jahres (1902/1903). Die Witwe von Joseph Maria, Katharina, - Franz Nikolaus war nicht verheiratet - führte das Geschäft weiter. Unter ihrer Regie wurden noch verschiedene größere und kleinere Baumaßnahmen durchgeführt, u.a. ein Kesselhaus errichtet. 1912 endete die Geschichte der Brauerei "Zum Kalten Loch". Ein ehemaliger Holzvermesser, Leopold Roos aus Bischbrunn, betrieb noch die Gaststätte bis zur endgültigen Schließung 1962.

Quelle: Brauhaus Faust oHG

 

 

 

Brauerei zur Goldenen Rose - 1783 bis 1900

63739 Aschaffenburg

Heinrich Valentin Dahlem
1900 Übernahme durch die Bayerische Aktienbrauerei Aschaffenburg 

 

Wurstbendelbrauerei - 1802 bis 1901

Fischergasse 2
463739 Aschaffenburg

Der Mainzer Erzbischof Carl von Dalberg verleiht mit Urkunde vom 17. August 1802 an den Bierbrauer Johann Faust das Braufeuerrecht. Wörtlich heißt es in der Urkunde:

"Bekennen hiermit für Uns und Unsere Nachkommen an dem Erzstift, demnach unser Unterthan und lieber getreuer Johann Faust zu Aschaffenburg unterthänigst zu erkennen gegeben, welcher Gestalten er zu seiner und der Seinigen besseren Aufkommen, auch Beförderung, sowohl der Einwohner als auch der Reisenden, sein erlerntes Brauhandwerk zu treiben gemeint, mit gehorsamster Bitt, dass, Wir ihm auf sein neben dem Fischerthore gelegenen Behausung, als welche hierzu bequem, denen Nachbarn auch ohnnachtheilig, das Braufeuerrecht zu ertheilen gnädigst geruhen mögten," usw. Weiter heißt es in der Urkunde; dass er für dieses Braurecht "zu ewigen Zeiten" 17 Gulden 5 Kreuzer neben dem gewöhnlichen Kammertax-Geld zu erlegen habe".

Die Geschichte der Brauerei reicht allerdings weiter zurück. Der gelernte Bierbrauer Johann Georg Gins aus Hausen erhielt schon 1765 das Bürgerrecht in Aschaffenburg, wofür er mit dem an der Fischerpforte (Fischergasse 24) gelegenen Wohn- und Bierhaus bürgte. Gins starb 1797. Bei der Vermögensteilung erhielt eben jener Johann Faust das "neben den Fischerthor gelegene Haus, worauf das Bierbrau-Feuer-Recht bestehe". Er konnte jedoch die ursprüngliche Konzessions-Urkunde nicht vorlegen, so dass er 1802 nochmals darum nachsuchen musste. 1808 erhielt er auch die Konzession zum Ausschank von Bier und Branntwein. Johann Faust verstarb 1811. Im gleichen Jahr war eine Aufteilung des Gesamtbesitzes durch Versteigerung geplant, aber noch 1812 ist Fausts Witwe als Inhaberin des Braurechts nachgewiesen. 1817 kommt es dann zum Verkauf an die Witwe Christiane des Vinzenz Löchler, der vorher bis zu seinem Tod dort Bier braute. 1837 erwirbt der Schiffbauer Franz Dosch das gesamte Anwesen, kurze Zeit später wird es für 6700 Gulden von dem Bierbrauer Ludwig Geiger ersteigert. Dieser erhielt bereits 1838 die Braukonzession. Er war wohl ein recht tüchtiger Mann, denn innerhalb kurzer Zeit erreichte er bereits einen Sommerbiervorrat von 974 Eimer (ca. 600 hl). Die Wurstbendel-Brauerei wurde zu einer der bedeutendsten Brauereien der Stadt. 1855 liegt sie mit einem Malzverbrauch von 344 Scheffeln - das entspricht etwa 1500 Hektoliter Bier - an zweiter Stelle.

Ab 1875 führen Ludwig Geigers Sohn Nikolaus und Philipp Helmreich den Betrieb, der nun offiziell "Brauerei Wurstbendel, Geiger und Helmreich" heißt.

In den folgenden Jahren werden viele Umbauten und technische Verbesserungen durchgeführt, so u. a. 1876 Bau einer Kühlschiffhalle und eines Eiskellers, 1877 einer Brunnenanlage. 1879 erstellte man bereits einen Anschluss an die städtische Wasserleitung.

Im gleichen Jahr fusionierte die Wurstbendelbrauerei mit der Petermannschen und der Freiherr von Hertlingschen zur Aschaffenburger Gesellschaftsbrauerei. Die Petermannsche Brauerei wurde bereits 1872 von der Freiherr von Hertlingschen Brauerei übernommen. Trotzdem wurde in der Fischergasse weiterhin Bier gebraut. Man investierte in neue Eis- und Lagerkeller und errichtete in den 90er Jahren eine Malzdarre. Dies war das letzte größere Bauvorhaben, denn 1901 wird die Gesellschaftsbrauerei von der Bayerischen Aktienbrauerei AG Aschaffenburg übernommen und einige Jahre später die Braustätte stillgelegt. Damit endete die Geschichte einer traditionsreichen Brauerei.