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Stadtprozelten (Unterfranken)

Burgbrauerei - 1844 bis 1920

97909 Stadtprozelten

Vermutlich hat der Vater des Bierbrauers und Gastwirts Georg Vogt, der aus Gräfendorf stammte, um 1844 die Brauerei gegründet. Als Georg Vogt 1877 starb, übernahm sein Stiefsohn Hugo Klett die Brauerei und Gastwirtschaft. Dessen Tochter Anna heiratete den Bierbrauer Wilhelm Ulrich. Der Vater von Wilhelm Ulrich war Posthalter und der Bruder Carl Alfred betrieb neben der Gastwirtschaft ebenfalls die Posthalterei.

Im Dezember 1909 kaufte der Malzfabrikant Leopold Ries aus Aschaffenburg die gesamten Liegenschaften zum Preis von 95.000,- Mark. Er tat dies wohl um seine nicht unerheblichen Forderungen zu retten. Für ihn bestanden alleine Sicherungshypotheken von 40.000,- Mark. Nach Abzug aller Schulden verblieb ein Kaufschillingsrest von gerade 3.300,- Mark. Eine interessante Anmerkung dazu ist die Meldung im "Bote von Untermain" vom 7. 3. 1912: "Die frühere Ulrichsche Brauerei dahier, welche vor 2 Jahren im Substahationsweg (Zwangsversteigerung) von der Malzfabrik Gabriel Ries in Aschaffenburg ersteigert worden war, ging durch Kauf an einen Herrn Diebisch in Neustadt in Schlesien über." Zwei Tage später erschien folgende Entgegnung: "Berichtigend teilte man uns betreffend des Verkaufs der Ulrichschen Brauerei mit, dass dieselbe vor ca. 2 Jahren freihändig an die Malzfabrik Ries verkauft wurde. Von dem gemeldeten Weiterverkauf an einen Herrn aus Schlesien ist hierorts nichts bekannt."

Die Brauerei florierte offensichtlich sehr gut. 1917 wurden nicht nur sämtliche sechs Stadtprozeltener Wirtschaften beliefert, sondern man verkaufte das Bier auch an Wirtschaften in Altenbuch, Breitenbrunn, Dorfprozelten, Faulbach, Fechenbach, Neuenbuch und Reistenhausen. Auch die Brauereiwirtschaft erfreute sich regen Zuspruchs. Ebenso werden in einem Zeitungsartikel von 1912 die "neuerbauten, sehr geräumigen Gartenlokalitäten der Ulrichschen Brauerei" lobend erwähnt.

Die Brauerei besaß ein einfaches Sudwerk mit 6 Ztr Schüttung Malz. Der Gärkeller hatte ein Fassungsvermögen von 200 hl, der Lagerkeller ein solches von 800 hl. Die Kühlung erfolgte nur mit Natureis. Die Natureisgewinnung fand an der heute noch so genannten Eiswiese statt, die gegenüber der früheren Polizeistation lag. Die Böschungen sind noch vorhanden. Man betrieb daneben auch noch eine nicht unbeträchtliche Landwirtschaft von 30 Tagwerk. Es wurden 1917 drei Pferde gehalten - wohl hauptsächlich für den Biervertrieb. Außerdem hielt man zwei Kühe, zehn Ochsen und drei Schweine. Im September 1920 verkaufte Gabriel Ries einen Teil seiner Gebäude und sonstigen Liegenschaften an den Gastwirt Johann Werthner aus Offenbach zum Preis von 95.000,- Mark. Es ist anzunehmen, dass mit dem Verkauf auch die Brauerei stillgelegt wurde.
www.faust.de

 

 

Ansicht der Lagerkeller der Burgbrauerei von der Mainseite aus   Blick auf Stadtprozelten um 1906